Platz für den Nächsten...

...hier gehts vor allem um ernste Angelegenheiten...

Platz für den Nächsten...

Beitragvon ~§unny~ » 03.12.2007, 15:48

[FONT=comic sans ms]Eine schreckliche Situation wie ich finde... jemand stirbt und .... naja.... dann heißt es... is nun mal so, nu is platz für den nächsten....

habe das leider heute in zweierlei Fällen mit erleben müssen. War an sich froh das bisher noch nix weiter mit Sterbefällen auf meinem Wohnbereich im seniorenheimpraktikum war, nun komme ich nach dem Wochenende wieder... und gleich zwei sind gestorben....
ich finde das ganz extrem und mich hats heute den ganzen Tag tierisch zerrüttelt..... Wusste nicht wie ich damit umgehen soll... mich nimmt sowas wohl etwas zu sehr mit... naja... es wirkt jetzt noch... und dann kamen gleich die Erbschleicher... die habe ich in den ganzen drei Monaten die ich bisher mein Praktikum mache nicht einmal in der Einrichtung gesehen wie ich da bin...
heute waren die gleich zu viert und zweimal da... um ihre Bude leer zu räumen.... echt zum Heulen...

vor allem... wenn man bedenkt... letzte woche hat man noch mit der einen Kommuniziert... und denkt sich nix weiter... und dann... einfach.... naja... das schlimme is... man selbst als laie... wird da ein wenig übergangen... oder ignorierit vielleicht sogar mit seinen gefühlen ganz und gar total verdrängt, so kam es mir jedenfalls vor...."Hach, darfste nicht drüber nachdenken, sterben müssen wir alle mal...."
Hallo, gehts bitte noch etwas herzloser...???? Ich meine ein paar Gefühle wird man jawohl noch irgendwo haben dürfen???Naja,... habe die Kollegen da also nun von einer neuen Seite kennengelernt und bin eigentlich noch überzeugter davon dass dieser job nichts für mich wäre... mir macht es spaß und alles... aber davon würde mir zuviel zu sehr an die Nieren gehen[/FONT]
.... und ich sing ....lalalaallalalalaaaalalallalalaaaaaa...
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Beitragvon Gast » 03.12.2007, 16:58

Ich denke mal, dass die Kollegen am Anfang auch emotionaler mit umgingen. Wenn ich mir vorstelle, jahrelang in solch einem "Beitriebsklima" zu arbeiten, bleibt einem nicht viel anderes übrig, als entweder abzustumpfen oder emotional sich die Sache zu sehr zu Herzen zu nehmen und sich seelisch zu foltern. Problematisch ist halt: Man hängt da und kriegt durch den Tod eines Menschen einen Dämpfer und muss gleich schon wieder Vollgas geben, weil die anderen Patienten/Klienten auf ihren "Service" warten. Aber ist auch nicht einfach. Ist halt nicht jeder Mensch für gemacht, sowas zu ertragen. Im Zivildienst hatte ich auch solche Momente. Nur hatte ich da Gott sei Dank noch einen grösseren Abstand zu den Patienten, weil ich in der "Technik" und nicht in der "Pflege" eingeteilt war. Ich glaub, das wäre mir auch zu stark an die Nieren gegangen. Ein Kumpel hat u.a. wegen der emotionalen Seite nachher seine Ausbildung zum Krankenpfleger saussen lassen.

Was die Erben angeht: Sowas ist immer ein starkes Stück. Sowas lief hier in der unmittelbaren Nachbarschaft auch mal pervers ab. Die einen opfern sich liebevoll für die Alten auf und die anderen sahnen nach deren Tod ab. Haben nichtmal Skrupel davor, vor Gericht zu gehen und die eigenen Gechwister quasi obdachlos zu machen. Wie die Aasgeier sowas! Dafür hab ich auch null Verständnis.

Bist da grad echt nicht zu beneiden. Hoffe nur, der Rest des Praktikums verläuft da "ruhiger". :(
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Beitragvon sera » 04.12.2007, 20:39

Es ist schon schlimm in solchen Einrichtungen, wo der Tod fast zum Alltag gehört. So viele sterben dort, wie will man ihnen allen gedenken? Vergisst man nicht welche im Laufe der Zeit? Und lernt, den Tod als etwas "Normales" anzusehen?
Besonders in Krankenhäusern find ich die Einrichtung eines gesonderten Bereiches da gut, weil die Menschen dort Ruhe haben und nicht,wie sonst oft einen Zimmernachbarn (der von allem ja so wenig wie möglich mitbekommen soll). Dort können sich die Schwestern und Pfleger auch anders auf die Patienten einstellen und es geht nicht nur ums nächste freie Bett...
Allerdings ist es für manche ja auch nicht gerade schön, in einen gesonderten Bereich verlegt zu werden und am liebsten würden sie zuhause sein, in vertrauter Umgebung.
Aber egal wo es passiert, ist es ja die Vorausetzung, das Menschen dort sind, die sich damit auseinandersetzen. Aber viele wollen das nicht. Für viele bedeutet der Tod nur Leid und Schrecken. Wenn man den Tod als etwas "Natürliches" sehen würde, die Angst davor bekämpfen würde und einfach nur versuchen, für den Menschen da zu sein, wäre ihm viel mehr geholfen.
Dann könnte man sagen, dass es traurig war, dass dieser Mensch gestorben ist, dass man noch einmal an ihn denkt. Aber sehr viel mehr ist in solchen Einrichtungen auch nicht mehr möglich,oder? Man könnte vielleicht eine Art Denkmal für alle schaffen, wo man ein Foto und ein paar Worte zu den Menschen aufbewahrt.
Auf jeden Fall ist der Tod von Mitmenschen etwas,womit man sich auseinandersetzen muss...man kann ihn nicht übergehen oder verdrängen. Aber wie jeder Mensch das macht, ist ihm selbst überlassen. Das müsste man vielleicht an solchen Einrichtungen ändern...
Die Phantasie ist ein ewiger Frühling.
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Beitragvon Gast » 05.12.2007, 03:20

Original von sera
Und lernt, den Tod als etwas "Normales" anzusehen?


Der gehört zum Leben dazu. Nur ist der Tod irgendwie fast in eine Tabu-Ecke in der Gesellschaft gerückt. Wer beschäftigt sich denn da in jungen Jahren beispielsweise grossartig auseinander (hast ja selbst eben geschrieben und geb Dir da vollkommen Recht)? Meist sind´s nur alte Menschen, die darüber philosophieren oder eben Menschen, die unmittelbar damit zu tun haben. Und wenn einige mit dem Thema Tod konfrontiert werden, können sie sich teilweise nichtmal mit auseinandersetzen und verschliessen sich dem auch mal gern. Hab ich ja letztes Jahr erlebt, bzw. erlebe es jetzt noch direkt im Freundeskreis. Als mir letztes Jahr der Abflug im KH dazwischen kam, haben sich hinterher auch viele merkwürdig benommen und tun´s auch immer noch. Ist irgendwie eine eigenartige Situation.

Ansonsten: Was die Zimmer in Krankenhäuser angeht, hat sich viel getan. Die grossen "Sammelhallen" werden zunehmst beseitigt und wenn möglich gehen die Krankenhäuser dazu über, vermehrt auf Zwei-Bett-Zimmer zu setzen. Das finde ich zum einen nciht verkehrt, da man mit zwei bis sechs weiteren Schnarchern im Zimmer nicht wirklich zur Ruhe kommt. Auf der anderen Seite ist es aber neben den Maschinen auch ein Kontrollmittel, was wegfällt. Wäre nicht das erste Mal, dass ein Zimmernachbar rechtzeitig bemerkt, dass was nicht stimmt und das Personal alarmierte. Wenn man allein auf dem Zimmer liegt, ist man der Technik ausgeliefert. Hat halt alles seine Vor- und Nachteile.

Was die Hospiz angeht, finde ich aber ein Krankenhaus eher unpassend. Sowas sollte anders aufgezogen werden. Allerdings wird das ja auch so praktiziert. Diese Einrichtungen haben auch schon rein optisch nur marginal was mit Krankenhäusern zu tun (Ausstattung). Nur gibt es halt nicht genug davon.

Die Sache mit dem "Denkmal" ist aber wiederum heikel. Stell Dir vor, Du wärst 80 Jahre alt und kommst an so einem Altar vorbei mit tausenden Fotos Deiner "Vorgänger". Wenn da noch jemand vorbeiläuft und sagen würde "Die da auf dem Foto, die hatte letzte Woche noch Dein Bett." - Hui hui, ich würd verrückt werden. Oder wenn das Personal die ständig vor Augen hätte. Die könnten ja garnicht mehr abschalten. Finde die Idee generell nicht schlecht. Nicht missverstehen. Beim Militär macht man sowas ja auch. Da wird ja auch jeder im Einsatz verstorbene Soldat auf Denkmäler gemeisselt. In anderen Ländern ist das jedenfalls normal. Deutschland ist auch in dem Punkt anders. Hierzulande will man ja auch lieber verschweigen, dass Deutsche in Afghanistan sterben, während die USA auch deren Namen auf Denkmälern verewigt. Gab dazu mal ein paar nette Berichte u.a. im Spiegel, Stern und im TV. Militär, Krankenhaus und Altenheime in einen Topf schmeissen ist zwar nicht ganz passend jetzt, aber es zeigt auch halt, dass das Sterben und der Tod auch in anderen Bereichen echt Tabu ist. Als wenn man durch´s "nicht drüber reden" plötzlich unsterblich wäre...^^
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Re: Platz für den Nächsten...

Beitragvon sera » 09.03.2010, 15:40

Also wenn so eine Art Denkmal, dann natürlich nicht mit den ganzen Fotos dran, das ist klar.
Ich glaub es ging auch nicht nur um das Verdrängen. Es ging Sunny hauptsächlich darum, wie das Pflegepersonal mit dem Tod der zu Pflegenden umgeht. Natürlich klingt es hart wenn die dann sagen "ein Platz für den nächsten ist frei". Aber ich denke, es ist an den Familienmitgliedern des Verstorbenen, zu trauern. Dieser Satz des Pflegepersonals ist ja nicht das letzte Wort zu diesem Menschen. Es wird jemanden geben, der sich des Toten erinnert. Trauerarbeit muss geleistet werden, aber es ist nicht die Aufgabe der Pflegenden. Der Tod ist schon etwas Normales, das zum Leben dazu gehört. Und dazu gehört auch, ihn zu akzeptieren. Vielleicht kann man sich noch damit trösten, dass es dem Menschen nun besser geht.
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Re: Platz für den Nächsten...

Beitragvon spamdora » 09.03.2010, 17:27

ich arbeite ja nun in einem Seniorenzentrum als Pflegefachkraft und in meinen 5 Monaten, die ich dort beschäftigt sind, sind mittlerweile 8 Mann verstorben. Davon 3 Stück in meinen Schichten. Ich komme damit mittlerweile recht gut klar, weil es zum Leben einfach dazu gehört und ganz ehrlich, bei den meisten der Verstorbenen war ich nur froh, dass ihr Leiden zu Ende war.
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